Quarzwerke Haltern am See Sythen

Bild oben: Zwei Portalgreifer Verladen den Quarzsand auf Lastkraftwagen 1959

Geschichte des Quarzsandabbaus.

Halterner Sande. Als „Halterner Quarzsande“ bezeichnet man eine Ablagerungsfolge der Kreidezeit (Santon),die durch ein kieseliges Bindemittel häufig schwach verfestigt ist. Sie haben eine Ausdehnung von annähernd 900 qkm und erstrecken sich halbmondförmig etwa von Lüdinghausen bis Borken.
Die mittlere Mächtigkeit der Ablagerungen beträgt 100 Meter. Die überwiegend unter dem Grundwasserspiegel anstehenden Quarzsande werden heute in den Gewinnungsteichen (Silberseen) mit Saugbaggern bis zu einer Tiefe von 40 m abgebaut. Die im Bereich Dülmen, Hausdülmen, Haltern - Flaesheim und Sythen abgelagerten Halterner Sande weisen einen besonders hohen Reinheitsgrad ( bis zu 99,9%) auf, der auf Bleichvorgänge durch huminsäure Wasser zurückzuführen ist. Die hiesigen Sande werden in der Glasindustrie zur Herstellung von Flansch- und Hohlglas, sowie von Wasserglas für die chemische Industrie und in der Gießereiindustrie zur Herstellung von Gussformen und – kernen eingesetzt. Auch in vermahlender Form als Quarzmehl finden sie ein weites Anwendungsfeld, so als Füllstoff in Gießharzen und anderen Kunststoffen, als Schleif - und Poliermittel sowie als Rohstoff in der keramischen Industrie. Um die Versorgung ihrer Kunden langfristig sicher zu können. hat die „Quarzwerke GmbH“ in diesem Gebiet große Vorkommensreserven erworben. Die Lagerstätte ist heute in drei Gewinnungsteichen erschlossen, von denen einer aktiv ist (Silbersee 1 ).

Oben: Quarzsand in Tüten, das gab es auch mal auf der Quarzwerke Haltern (Foto 1960).

Geschichtliche Entwicklung. 1883 errichteten die Unternehmer Hilfenberg und Miesem aus Dülmen in der Potthofs rund der Werningsheide bei Hausdülmen auf Grund der dortigen Lehmvorkommen eine Dampfziegelei, die 60 Arbeiter beschäftigte.
Als der Lehmvorrat erschöpft war begann man mit dem Abbau der darunter liegenden Quarzsande. Am 7.Dezember 1886 wurden die ersten mit Sand beladenen Waggons aus der Mesemschen Sandgrube bei Hausdülmen, die mit der Eisenbahnstrecke Haltern-Münster durch ein Anschlussgleis verbundenen waren, nach Haltern befördert. Dabei hoffte die Sythener Bevölkerung auch, dass der lange gehegte Wunsch, eine Eisenbahnhaltestelle in Sythen einzurichten, sich bald erfüllen möge.

Am 1.März 1896 kaufte die „Rheinische Sandwerke A.G.“aus Düsseldorf die Sandgruben der Dülmerner Unternehmer zu einem Preis von 150.000 Mark auf. Weiter verkauft wurde der Betrieb 1914 an die Firma Kükenhöher, die auch weiterhin den Abbau von Quarzsand betrieb. Der erste Verwalter dieses Sandwerke war Bernhard Mühlenbrock aus Sythen, dort besser unter dem Namen „Braombrinks Natz“ bekannt. Maschinen gab es bei der Sandgewinnung damals noch nicht. Der Sand wurde von Arbeitern mit der Schüppe auf Feldbahnloren geschaufelt, die von einer Dampflokomotive gezogen wurden. In den“ schwarzen Jahren“ nach dem verlorenen 1. Weltkrieg wurde das Sandgeschäft für kurze Zeit unrentabel. Der Altwerthändler Paul Klein pachtete 1920 das Gelände mit allen darauf stehenden Gebäuden und richtete in diesen ein Altpapier-Sortier-Werk ein, das er jedoch bereits 1924 wieder aufgab.

 

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